7/07/2016

Soll es das gewesen sein?


Warum kannst du nicht zufrieden sein mit dem, was du hast? Diese Frage habe ich mir in den vergangenen zwei Jahren häufiger gestellt. Dabei ist die Antwort doch so naheliegend: Weil es das nicht ist, was ich will. Aber was will ich?


Ich habe eine Festanstellung und übelst nette Kollegen. Ich habe einen Haufen an guten Freunden um mich herum. Ich habe eine niedliche Wohnung und meine pelzigen Begleiter folgen mir auf Gedeih und Verderb. Und trotzdem bin ich unzufrieden. Lange Zeit habe ich mich gefragt, was denn bitte nicht mit mir stimmt? 

Die Antwort: Mit mir stimmt alles. Mein Sein hat einfach nur noch nicht mein Ist eingeholt. Klingt irgendwie esoterisch. Stellt es euch so vor: Ihr habt ein Foto und ein Negativ und legt die beiden übereinander, aber sie stimmen nicht ganz überein. Das Negativ gehört zu dem Bild, das als nächstes geschossen wurde.

So fühlt sich mein Leben an: Auf den ersten Blick ist alles Tutti. Auch auf den zweiten und dritten. Aber da ist so ein Gefühl des Nicht-Ganz-Richtig. Ich habe versucht, das Richtig zu erzwingen. Aber das hat mich nur unglücklich gemacht. Nicht Ich-ziehe-mir-meine-Decke-über-den-Kopf-und-gehe-nicht-mehr-raus-Unglücklich. Mehr so unterschwellig. 




                                                           Oberteil: Ernsting's Family; Rock: Second Hand




Schleichend haben sich Kleinigkeiten in meinem Leben breit gemacht, die es nicht geben sollte, ist man zufrieden: Ich musste mich zwingen, meine Lieblingsserie zu schauen. Ich habe nur noch wenig gelesen, gar nicht mehr geschrieben. Die Waage kletterte ganz langsam immer höher, weil sich mein Pizzakonsum verdreifachte. Pizza macht schließlich glücklich! Ständig neue Klamotten kaufen weil einfach nichts mehr passt, nicht. Das geht ins Geld und auf meinen Rücken, weil ich zu schnell zu viel zugenommen habe. Nicht gut, da ich seit meiner Kindheit an einer Wirbelsäulenverkrümmung leide. Zwei Hexenschüsse in den letzten sechs Monaten sind auch kein Spaß.
Warum ich so lange nichts geändert habe, obwohl doch klar war, dass sich etwas ändern musste? Weil der Sprung in unbekannte Gewässer noch tausendmal gruseliger erschien als das schleichende Unglück. Denn das kannte ich bereits. Was als nächstes kommt steht in den Sternen.

Ich habe gedacht, genau wissen zu müssen, was ich will, bevor ich etwas an meinem doch oberflächlich betrachtet perfekten Leben ändere. Dass ich nur von selbst zufrieden werden müsse, denn eigentlich stimmte doch alles. Dass ich das Problem sei. Spoiler: Vielleicht bin ich das Problem. Natürlich könnte es sein, dass sich an meinem Gefühl rein gar nichts ändert, egal, wie sehr ich meine äußeren Umstände durch den Mixer jage. Mag sein. Aber damit beschäftige ich mich, wenn es soweit kommt. Irgendwann habe ich beschlossen, dass der Weg das Ziel ist. Ich möchte nicht in 30 Jahren bereuen, nicht genug Eier in der Hose gehabt zu haben. Noch nie hab‘ ich (wie Marty McFly) die Beschimpfung Feigling auf mir sitzen lassen. Was könnte es schlimmeres geben als sich selbst Feigling zu nennen? Außerdem bereut man im Nachhinein nur Dinge, die man nicht getan hat (wie ich mich zum Beispiel heute noch in den Hintern beiße, weil ich niemals Work & Travel gemacht habe). Seine dämlichen Dämlichkeiten vergisst man irgendwann.

Ich habe also meinen Job geschmissen, meine Wohnung gekündigt und ziehe nach Berlin. Ohne neue Wohnung, ohne neuen Job. Aber das findet sich. Bisher ist noch immer alles gut gegangen. Hauptsache, ich befinde mich in Bewegung. Hauptsache, etwas ändert sich. Was das sein wird? Keine Ahnung. Früher hätte ich Angst gehabt. Jetzt bin ich hibbelig vor Aufregung. Nur noch zwei Monate! 

Kommentare:

  1. Liebe Annika, der Blogeintrag inspiriert mich - nicht zuletzt, weil ich deinen Schreibstil mag. Ich kenne das Gefühl auch! Und ich finde den Vergleich mit dem Negativ und dem Foto echt wahnsinnig gut.
    Ich wünsche dir ganz viel Spaß in Berlin. Und wenn du dich schon so darauf freust, kann es nur gut werden. Das fällt schon alles in seine Bahnen, so wie es sein soll! :)
    Liebe Grüße,
    Tina von http://www.freckledrebell.de

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  2. Ich drücke dir die Daumen für den Neustart! Eine wirklich mutige Entscheidung!

    Liebe Grüße Jessy von Kleidermaedchen

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