6/30/2016

Annika im Laserland - Teil II


Wie versprochen Teil II von „Annika im Laserland oder: wie ich meine Brille zu Grabe trug“. Die Behandlung, die Nachsorge, die Pros und Cons.


Die Behandlung 

Nein, ich war weder aufgeregt noch hatte ich Angst. Aber Respekt. Denn bei der LASIK geht  es schließlich um die Augen. Wenn da einer falsch dran rum doktert, dann Ciao, Augenlicht. Aber ich habe mir immer gesagt: Das sind Experten. Ja, es kann schief gehen. Bei einer medizinischen Behandlung kann immer etwas schief gehen. Aber des Risikos war ich mir bewusst und für mich neigte sich die Schale eher in Richtung Nutzen als Kosten. 

Auch an dieser Stelle (weil ich es nicht oft genug sagen kann): Natürlich kann das bei euch alles ganz anders ablaufen. Und nochmal: natürlich könnte es auch schief gehen. Ich schildere hier nur meine Erfahrungen und meine Überlegungen. Ob ihr eine Laserbehandlung in Betracht ziehen wollt oder nicht ist euch überlassen und ich will auch niemanden dazu überreden oder das Zünglein an der Waage sein. Bitte informiert euch vorher über die Risiken von LASIK und LASEK und trefft keine übereilten Entscheidungen. 

Zurück zu meiner Behandlung: Ich also respektvoll, aber relativ ruhig dort aufgelaufen. Die letzten Formulare unterschrieben. Und ab in einen Vorraum, in dem ich mir stylishe OP-Stulpen über die Schuhe und ein steriles Haarnetz über den Kopf streifen musste. Muss ja alles seine Ordnung haben. Augentropfen, die das Auge komplett betäuben, verabreicht bekommen. In dem Moment begann mein Herz, Fahrt aufzunehmen: Was, wenn die nicht funktionieren? Was, wenn die in meinen Augapfel schneiden und ich spüre es? Waaaahhh!!







Im Behandlungsraum selbst geleitete mich eine Schwester zu einer Liege, auf der ich in der Senkrechten Platz nahm. Sie drückte mir zwei Gummibälle zur Entspannung in die Hand. Selten ist ein Gummiball so geknetet worden.

Der Arzt erklärte mir jeden Schritt, den er tat. Zuerst betäubte er ein weiteres Mal meine Augen. Auf meine panische Nachfrage, woran ich merke, dass die Betäubung auch wirklich greift, antwortete er: „Das werden Sie schon merken.“ Beruhigend? Ich weiß nicht. Der Gedanke, dass er diese Behandlung schon zum drölfzigsten Mal an diesem Tag durchführte, schon eher.

Das rechte Auge war zuerst dran. Der Arzt klebte mir die Wimpern mit einer Art Tesafilm nach oben und fixierte meine Lider dann mit einer Klammer, die mich an „Clockwork Orange“ denken ließ. Er meinte, viele Patienten empfinden diese als drückend und unangenehm, aber ich habe sie nicht gespürt. Es fühlte sich so an, als konnte ich noch immer blinzeln, also überhaupt nicht fixierend oder störend.

Eine Maschine las noch einmal meine Augenwerte ab. Dann setzte mir der Onkel Doktor einen Gummiring auf den Augapfel, der diesen selbst fixierte. Ich musste nach oben starren, in die Eingeweide der Maschine über mir und auf ein grünes Licht. Dann wurde es kurz dunkel. Dann sah ich das grüne Licht nur noch verschwommen.

Dunkel = ein Mikroskalpell schnitt meine Hornhaut auf, wie ein Adventskalendertürchen, so dass sie nur noch von einer Seite her gehalten wurde. Verschwommen = der Arzt klappte die Hornhaut zurück.

Hört sich ekelig an, sieht aus wie wenn jemand eine Weintraube schält (ich habe mir hinterher Videos auf YouTube angeschaut – ja, ich bin so krank!). Man selbst kriegt aber wirklich nichts anderes mit als Dunkel, Verschwommen. Und wieder hell, wenn der Gummiring abgenommen wird.

Dann kam der Laser zum Einsatz. 11 Sekunden (15 beim anderen Auge). Es roch wie verbranntes Haar. Aber vom Eingriff selbst merkte ich nichts. Danach klappte der Arzt den Flap (das Adventskalender-Türchen) wieder zurück, strich ihn glatt und fertig. Das wars. Kein großer Aufwand. Gleiche Prozedur am anderen Auge und wieder aufsetzen. Ich konnte sofort scharf sehen, obwohl alles wie hinter einer milchigen Glaswand lag. 

Danach 

Am Tag der OP hätte ich jede Stunde drei verschiedene Augentropfen tropfen müssen (Antibiotikum, Cortison, Tränenflüssigkeit), immer mit 15 Minuten Abstand dazwischen. Heißt: Dauerbetropfung. Endsnervig. Aber da die Behandlung sehr spät abends stattfand, blieb mir das meiste erspart. Ich legte mich fast sofort schlafen.

Für die Nächte der ersten Woche geben sie einem wunderschöne Puck-die-Stubenfliege-ähnliche Plastikklappen mit, die man sich mit Leukoplast über die Augenhöhlen bappt. Denn auf keinen Fall darf man an die Augen kommen!!! Der Flap könnte verrutschen und dann müssen die den gerade rücken. Das will doch keiner! Der Flap liegt nämlich nur auf. Nicht lose, denn das Auge saugt sich den richtig schön an, wie ein Parasit in einem Science-Fiction-Film, und das immer stärker, je länger die Behandlung her ist (d.h. in ein paar Monaten kann ich wieder Tauchen oder auf den Mond fliegen – nur Boxen sollte ich vermeiden – O-Ton Arzt.). Aber das dauert eben auch seine Zeit und deshalb ist Vorsicht geboten. Heißt auch: zwei Wochen nicht schminken, nicht schwimmen, nicht saunen und kein Wasser dran kommen lassen. Feuchttücher sind also gerade mein bester Freund.

Jedenfalls trat nach ca. vier Stunden ein, was mir auch der Arzt vorhergesagt hatte: Die unangenehmsten Stunden folgten. Denn die Betäubung ließ nach und das Auge begann, zu heilen. Ich sage unangenehm, weil ich wirklich nicht von Schmerzen reden möchte. Es waren auch keine. Es brannte nur wie die Seuche. Daraufhin begannen meine Augen, zu tränen, und ich konnte sie ca. eine halbe Stunde lang nicht öffnen. Dann schlief ich ein, wachte zwei Stunden später auf, wollte die Augen öffnen und die Lider klebten aneinander. Auch klar. Wundflüssigkeit. Dauerte dann ein Weilchen, bis es wieder ging. Aber wieder: es tat nicht wirklich weh. Es war eher… fies.

Am Morgen danach waren aber auch die fiesen Unannehmlichkeiten vergessen. Außer trockenen und juckenden Augen (Heile, heile Gänschen) hatte ich keinerlei Beschwerden mehr. Ich ging zur ersten Nachuntersuchung, bei der mir bestätigt wurde, dass mit dem Flap und meiner Sehleistung (jetzt schon hundert Prozent!) alles in Ordnung sei. Ich glaube, ich war nicht länger als eine halbe Stunde lang dort. Mit dem Hinweis, in einer Woche wieder aufzuschlagen, zur zweiten Nachuntersuchung, verließ ich die Praxis als neuer Mensch.

Während ich das zu Papier bringe, befinde ich mich in der Mitte der ersten Woche. Ich muss jeden Tag viermal Antibiotikum und Cortison tropfen, jede Stunde Tränenflüssigkeit. Das nervt, ist das Ergebnis aber wert. Denn ich kann sehen. Richtig, richtig klar. Noch nicht Adleraugenklar, aber schon ziemlich gut. Wie, als würde ich Kontaktlinsen tragen. Nur ohne das brennende Gefühl am Abend. Denn seit gestern brennen und jucken auch meine Augen nicht mehr. Vielleicht kommt das wieder. Das kann durchaus sein. Aber heute bin ich sehr glücklich und zufrieden. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden! 

Die Pros 

D’uh! Ich kann sehen. Kälte und Wärme und Regen und Schwimmbäder und Erik der Wikinger machen mir nun genauso viel oder wenig aus wie allen anderen Menschen auch. Und auf lange Sicht spare ich eine Menge Kohle. Denn ich muss (hoffentlich!) für sehr lange Zeit keine Brille mehr kaufen. Mir wurde gesagt, dass ich auf jeden Fall im Alter eine Lesebrille benutzen müsse, was vielleicht vor der Behandlung nicht der Fall gewesen wäre. Aber das ist es mir wert. Mehr als wert. 

Die Cons 

Es kann auch schief gehen. Ich habe Horrorstorys von Patienten gelesen, die seit der Behandlung unter trockenen Augen leiden. Das klingt erst mal nicht so tragisch, aber stellt euch vor, eure Augen würden jeden verdammten Tag eures restlichen Lebens jucken und ihr könntet nichts dagegen tun? Auf Nimmer-Wiedersehen, Lebensqualität. Vielleicht steht mir das auch noch bevor. Bei manchen sind die Komplikationen erst nach einem Jahr aufgetreten. Wir werden sehen (Haha!). Aber ihr werdet dann keine ausufernden Mimimi-Beschwerden von mir hören. Alles auf der Welt hat seinen Preis. Die kleine Meerjungfrau hatte bei jedem Schritt, den sie tat, Schmerzen, weil sie ein Mensch sein wollte. Wenn ich diesen Preis bezahlen muss, dann ist das so. Eh nicht mehr zu ändern. Aber ihr habt noch eine Chance, also überlegt es euch gut. Ihr habt nur diese beiden Augen.

Teil I von "Annika im Laserland" verpasst? Lest hier nach, wie die Voruntersuchungen abgelaufen sind und warum ich meine Brille ad acta legte!

Kommentare:

  1. Ich würde sehr gerne meine Augen lasen lassen - habe abe Angst das das schief geht. In meinem Leben läuft nämlich alles schief.
    Aber danke für den ausführlichen Bericht.

    Liebe Grüße
    Ann - kolonialwarenladen.blogspot.de

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  2. Sehr interessanter Bericht! Ich überlege auch schon längere Zeit mich lasern zu lassen. Aber leider habe ich jetzt schon trockene Augen ;) Danke für deine Erfahrungswerte!
    Christina ♥ https://caliope-couture.com

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  3. danke für den interessanten Beitrag
    http://carrieslifestyle.com

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  4. Ich habe mir die Augen vor einem guten Jahr lasern lassen. Mit einer Methode, die sich Relex Smile nennt. Da wird nur ein kleiner Schnitt gemacht, kein Flap. Ich bin etwas langsam verheilt, aber nun ist alles gut. Ich hatte vorher auch schon trockene Augen, aber trotzdem kann ich gut damit leben, es ist überhaupt kein Vergleich zu der Quälerei mit Kontaktlinsen vorher.
    Trotzdem schließe ich mich an und rate, sich gut zu überlegen, ob das was für einen ist.

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